Papier

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Papierprodukte

Autor: Roland Mutterer, Greenpeace

 

Unser Papierverbrauch steigt

Seit 1970 hat sich unser Papierverbrauch von 126 Kilogramm auf über 243 Kilogramm pro Person und Jahr nahezu verdoppelt. Deutschland gehört damit zu den fünf größten Papierkonsumenten weltweit - nicht nur wegen all der Seiten und Blöcke, die wir tagein und tagaus bedrucken und beschreiben: Laut Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel verbraucht jeder Deutsche im Jahr durchschnittlich 46 Rollen Toilettenpapier. Eine Studie der Firma Hakle ergab zudem, dass jeder Bundesbürger im Durchschnitt pro Tag ein Papiertaschentuch benutzt.

Die Folgen

Jeder fünfte eingeschlagene Baum wird für die Papierproduktion verwendet. Über 80% der Primärfasern in unserem Papier sind importiert (als Zellstoff oder Papier). Die Primärfasern stammen zu ca. 16% aus Urwäldern. Großflächige Kahlschläge sind immer mit Waldzerstörung und dem Verlust an natürlicher Vielfalt verbunden, oft unter Missachtung von Menschenrechten der lokalen Bevölkerung. Etwa 20% der weltweiten CO2-Emissionen entstehen durch Waldvernichtung und ihre Folgen. Die Holz- und Zellstoffindustrie trägt somit erheblich zum Klimawandel bei.

Was für Recyclingpapier spricht

  • Die Wälder werden geschont: Sie bieten Ureinwohnern und vielen Arten weiterhin Schutz und bleiben als Wasser- und CO2-Speicher erhalten.
  • Papier kann sogar mehrfach recycelt werden. Das schützt weitere Bäume vor der Abholzung.
  • Bei der Herstellung von Recyclingpapier ist der Verbrauch von Energie und Wasser wesentlich geringer. Somit entstehen auch weniger CO2-Emissionen.

Vorurteile – weggewischt

  • Recyclingpapier ist teuer? Nein. In größeren Mengen ist es 15 Prozent günstiger als Frischfaserpapier. Recycling-Toilettenpapier ist fast durchweg preiswerter.
  • Recyclingpapier mindert die Lebensdauer von Druckern und Kopierern? Nein. Das Bundesamt für Materialprüfung und die Stiftung Warentest haben festgestellt, dass Recyclingpapiere einwandfrei auf allen gängigen Kopierern und Druckern laufen und eine sehr gute Bildqualität liefern. Alle Hersteller von Kopierern garantieren den störungsfreien Einsatz von Recyclingpapier auf ihren Geräten.
  • Recyclingpapier ist grau? Falsch. Es gibt Recyclingpapiere in den Weißegraden 60 bis 100. Schon bei 80er Weißegrad wird Recyclingpapier teilweise nicht als solches erkannt. Dies lässt Rückschlüsse auf die als positiv wahrgenommene Qualität zu. Recyclingpapier mit 100er Weißegrad ist von Frischfaserpapier nicht zu unterscheiden. Aus Umweltsicht gilt jedoch die Regel, je niedriger der Weißegrad, desto umweltschonender.
  • Recyclingpapier ist unhygienisch? Falsch. Bei der Herstellung von Recyclingpapier wird der Altpapierbrei auf 100 Grad Celsius erhitzt und teils mit desinfizierendem Peroxid versetzt. Bakterien und Keime werden abgetötet, Schadstoffe entfernt. Öko-Test (2009) attestiert sieben von 21 Toilettenpapieren aus Altpapier ein „sehr gut“, 13 von ihnen erhalten die Note „gut“.

Augen auf beim Kauf

Papier ist mit einer Vielzahl an verschiedenen Siegeln und Werbesprüchen gekennzeichnet. Nicht alle Siegel halten, was sie versprechen. Empfehlenswert sind das ÖKOPA- und das vup-Siegel sowie der Blaue Engel, der die weltweit höchsten ökologischen Standards für Recyclingpapier bietet. Der Blaue Engel wird vom „Deutschen Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V. (RAL)" vergeben, wobei die Vorgaben vom Umweltbundesamt stammen. Das Label gibt es für Schreibwaren und Hygienepapier. Die Produkte bestehen zu 100% aus Altpapier. Bei der Herstellung sind optische Aufheller verboten, der Einsatz chlorfreier Bleiche sowie die Einhaltung von Schadstoffgrenzen werden gefordert.

Finger weg von: Diese Siegel sehen zwar gut aus, stehen aber nicht für 100% Recyclingpapier; die ersten zwei erfordern sogar gar keines!

Was Sie noch tun können

  • Verzichten Sie darauf, digitale Dokumente wie z.B. E-Mails auszudrucken. Falls es doch nötig ist, dann beidseitig.
  • Nutzen Sie beide Seiten eines Papiers und verwenden Sie einseitig bedruckte, nicht mehr benötigte Dokumente als Schmierpapier.
  • Verzichten Sie auf Kataloge, wenn Sie sowieso im Internet bestellen.
  • Bringen Sie einen „Keine Werbung“- Aufkleber an Ihrem Briefkasten an und beschweren Sie sich bei Nichteinhalten.
  • „Coffee to go“ ist bequem - aber schlecht für die Umwelt. Im Jahr trinken wir Deutschen aus sechs Milliarden Pappbechern (rund 50.000 Tonnen Papier).
  • Fragen Sie in Geschäften nach Recyclingpapier! Das Angebot ist größer als gedacht. Wenn mehr Kunden danach verlangen, wird das Angebot mit der Zeit größer.
  • Wenn es doch mal Frischfaserpapier sein muss, ziehen Sie FSC-zertifiziertes Papier vor. Leider kann bei FSC „mixed sources“ immer noch Urwaldholz beigemischt werden. Zudem ist die Produktion nach wie vor um ein vielfaches aufwändiger und umweltschädigender als bei Recyclingpapier.


Links und Tipps

Forum Ökologie & Papier
Greenpeace zum Thema Papier
Initiative Pro Recyclingpapier



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